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Paracheirodon axelrodi

Der Rote Neon, Paracheirodon axelrodi.

Wie soll ich anfangen? Damit, dass im aquaristischen Internet ein Haufen dummes Zeug steht? Oder doch lieber die Leute abwatschen, die zu kleinen Gruppen und gut bepflanzten Aquarien raten? Oder soll ich mal einfach meine Erfahrungen mit P. axelrodi aufschreiben?

Ich denke, die letzte Lösung ist wohl eher die beste Lösung. Obwohl ich nicht umhin kann gewissen Schmalspurakrobaten mal gehörig die Meinung zu geigen.

Als erste Einstimmung zum Thema möchte ich Ihnen folgenden Link nicht vorenthalten. Geniessen Sie die Bilder und tauchen sie ein in die wunderbare Unterwasserwelt Südamerikas.

www.mikofish.com/subpage.html

Tja, und was sehen wir da? Wir sehen einen Fisch der sich in der Freiwasserzone aufhält. Keine Pflanzen zum verstecken. Wir sehen auch klares Wasser, wir sehen kein Schwarzwasser. Wir sehen Fische, die sich an einander gereiht durch das Wasser bewegen.

Wir sehen Nachzügler und Eigenbrötler. Nur wir sehen keinen typischen Schwarmfisch.

Die Fische sind zum Teil in Gruppen organisiert und bewegen sich auch so durchs Wasser.

Zählen Sie mal. Machen Sie sich den Spass. Sie werden schnell herausfinden, das da Gruppen von mehr als 30 Tieren die Regel sind. Es geht eher in die Richtung 100 Tiere und mehr. Wie wollen wir nun damit in der Aquarienhaltung umgehen? Sind die oft empfohlenen Gruppen von 10-12 Tieren sinnvoll. Entspricht diese Gruppengröße irgendwie dem Sozialverhalten? Können einzelne Tiere ohne Gruppe lange überleben? Und wenn ja, warum?

Fragen über Fragen.

Ist eine Gruppe von zehn Fischen in einem 60cm Standardbecken haltbar?

Natürlich. Die Fische sind keine großen Bewegungskünstler und Vielschwimmer. Es werden Kleinreviere eingerichtet und so lange kein Unheil droht und Futter da ist, wird auch nicht pausenlos rumgeschwommen. Die Männchen balzen die Weibchen an und soweit keine weiteren Fische im Aquarium sind wird man schnell feststellen, dass P. axelrodi eigentlich ein “Langweiler” ist in Bezug auf das Verhalten.

Kann man über die reine Anzahl das Verhalten ändern?

Nun, ich kann nur von meinen Erfahrungen sprechen und über das was ich im Zoohandel gesehen habe. Aber ich meine ein eindeutiges Ja aussprechen zu müssen.

In einem Händlerbecken sah ich 700 Neons schwimmen. Dieses Becken war völlig kahl und richtig gut beleuchtet. Streckte ich meine Hand nach Links aus so drehten die Fische nach Rechts ab. Andersrum funktionierte das Spiel auch. Die Fische sehen also was und nehmen eine Fluchtrichtung ein. Woran man das fest machen kann erschliesst sich mir nicht. Aber ich konnte es deutlich sehen.

Die Abstände der P. axelrodi waren meinen Beobachtungen zu Folge in einem Raster von etwa 5 cm. Komisch das die Fische quasi auf Kommando, aber mit leichter Verzögerung aller Tiere die Richtung wechseln können. Das macht schon nachdenklich.

Meine Beobachtungen bei 10 oder 20 Fischen in einem 150 cm Aquariuem deckten sich nicht mit den Beobachtungen, die ich in diesen vollbesetzten Händlerbecken machte,

Also musste ein Kompromiss her. Ich beschloss 100 Fische in ein 120/40/50cm Becken zu setzen. Dieses Becken lies ich hoffnungslos verkrauten, die Tiere hatten mitunter nicht mal mehr den Platz sich vernünftig zu bewegen. (Achtung: Das wird ja auch gerne empfohlen.) Was passierte? Die Fische stellten den gesamten Bewegungstrieb ein und standen in kleineren Gruppen zwischen den dichten Pflanzen.

Und nun wurde es völlig komisch. Wenn die Pflanzen ordentlich ausgelichet wurden und wieder Schwimmraum frei wurde, dann bewegten sich auch die P. axelrodi ganz anders.

Sie waren weder scheu noch mieden sie die Wasseroberfläche denn das Freiwasser.

Wasserwerte und Lebenserwartung:

Ein ganz finsteres Kapitel bei der Haltung von P. axelrodi sind zur Hälterung und Pflege immer wieder heruntergeleierten Wasserwerte. Gepaart mit den Beiwerken: “mögen die”, “lieben die” und “brauchen die” werden die ulkigsten Empfehlungen in den Foren gegeben. Auch der Hinweis, das P. axelrodi ein “Schwarzwasserfisch” sei, ist hoffnungslos daneben (sieht man ja oben auf den Bildern aus dem Habitat).

Ich persönlich habe P. axelrodi über sechs Jahre im hannoverschen Leitungswasser gepflegt. Als ich diese Erfahrungen in einem Forum zum Besten gab wurde mir unterstellt die Fische schlecht gehalten zu haben. Angaben aus der Standardliteratur sähen eine viel längere Lebenszeit bei Roten Neons in Aquarienhaltung vor. 10 Jahre seien bei “optimaler Haltung” erreichbar und man schob die Differenz von vier Jahren auf die Wasserwerte.

Da darf man sich dann nicht irritieren lassen und muss sich kritisch hinterfragen und natürlich auch die Angaben aus den Büchern. So konnte nie geklärt werden ob die 10 Jahre alt werdenden Roten Neons denn nun “Einzelfische” waren oder ob da ganze Gruppen über den Zeitraum gehalten wurden. Bei mir war es so, dass die Gruppe von 30 Fischen die 5-6 Jahre erreichte und dann im sechsten alle Fische tziemlich zügig verstarben.

In der freien Natur haben P. axelrodi eher eine Lebenserwartung von 1-2 Jahren. Sind die Wasserwerte da so schlecht, dass die Fische so früh sterben? Sicherlich nicht! Da kommen ja noch ein paar ganz andere Faktoren hinzu, die die Fische dezimieren und die im Aquarium so nicht nachgebildet werden (können).

Tatsächlich halte ich es für vertretbar eine Gruppe P. axelrodi über 3-4 Jahre im Aquarium zu pflegen und dann den Tod der in Kauf zu nehmen. Egal an was sie letztlich sterben. Sie leben dort im Schnitt länger als in freier Wildbahn.

 

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