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Futter Theorie

Eine rein theoretische Betrachtung.

Wie viel Futter braucht ein Fisch?

Was passiert da mit dem Wasser?

Wie groß muss der Filter sein?

Hängen diese Fragen in einem bestimmten Zusammenhang? Öh, ja. Doch. Irgendwie schon.

Mit dem Futter bringt man Stoffe in das Aquarium, die irgendwie verarbeitet werden müssen.Sei es von den Fischen, Pflanzen oder dem Filter. Siehe KASSEBEER:

Alle Aquarianer kennen die Problematik irgendwie eine bestimmte Futtermenge für einen ganz speziellen Fischbesatz herausfinden zu wollen.

Doch wie kann man sich dieser Frage nähern?

Richtigerweise geht das nur über das Lebendgewicht der zu fütternden Fische.

Doch wie bestimmt man das Gewicht eines Fisches? Wiegen oder in der Literatur nachgucken.

BREMER [1] nennt ein paar Gewichte von Fischen:

Art

Stückgewicht in g

Totallänge TL cm

Aplocheilus lineatus

1,8

6,0

Trichogaster trichopterus

4,5

7,0

Corydors rabauti

4,3

6,1

Danio malabaricus

2,8

7,0

Heterandria formosa (m)

0,05

1,7

Heterandria formosa (w)

0,26

3,0

BREMER geht auch darauf ein, dass in den verschiedenen Stadien eines Fischlebens mal mehr oder mal weniger Futter in das Wachstum eines Fisches fliessen.

Ist ja klar. Ein Jungfisch muss Masse aufbauen, ein ausgewachsener Fisch nicht mehr.

Im Jahre des Herrn 2006 war ich in Hamburg bei der dortigen Regionalgruppe Nord des BSSW und BORCHERDING [2] referierte über die Flussbarschernährung in Schweden.

Wie auch immer. Lese ich BREMER und habe BORCHERDING im Ohr, so komme ich in etwa zu dem Ergebnis, das 2-5% der Fischmasse an Futter zugeführt werden muss, pro Tag.

Nun wunderte ich mich darüber, weil ja diese 2-5% ein doch ein recht kleiner Wert sind.

Also nahm die Rechnerei ihren Lauf und ich staunte nicht schlecht.

Ich guckte also in mein Aquarium, in welchem 98 Paracheirodon axelrodi schwimmen und stellte mir alternativ mal ein Diskusbecken vor.

Mein Neonbecken fasst etwa 240 Liter Brutto.

Um die ganze Sache irgendwie greifbarer zu machen unterstelle ich ein 250 Liter Brutto Becken für die folgenden Beispielrechnungen. In diesem Aquarium sind dann 200 Liter Wasser nach Abzug aller Faktoren wie Bodengrund, Wurzeln, Steine und so weiter.....

Man stelle sich nun folgendes vor:

Becken 1: 100 P. axelrodi

Becken 2: 1 S. diskus

Becken 3: 4 S. diskus

Gewichte:

P. axelrodi 0,5 g bei TL 3,0 cm x 100 Fische = 50 Gramm

S. diskus 180 g bei TL 16 cm x 1 Fisch = 180 Gramm

S. diskus 180 g bei TL 16 cm x 4 Fische = 720 Gramm

 

Futtermengen bei 5% der Fischmasse:

100 P. axelrodi = 2,5 g

1 S. diskus = 9 g

4 S. diskus =  36 g

 

Ich gehe nun davon aus, dass ich die Tiere nur mit Flockenfutter ernähre.

Dieses Flockenfutter enthält etwa 50% Proteine. Diese Proteine enthalten etwa 20% Stickstoff.
80% der aufgenommenen Proteine werden als NH3/NH4 vom Fisch ausgeschieden/abgeatmet.

100 P. axelrodi:

50 Gramm Fisch brauchen also 2,5g Trockenfutter am Tag.
100 Tiere x 0,5 g = 50 g x 5% = 2,5 g Futter.

Das bedeutet einen Eintrag von 1250mg Proteinen.

2,5 g x 50% = 1,25 g x 20% = 0,25 g x 80% = 0,2 g

Oder 200mg NH3/NH4 (mit 20% Stickstoffanteil gerechnet).

Das sind dann 1,0 mg/l NH3/NH4 bei einer Wassermenge von etwa 200 Litern.

 

1 S. diskus:

180 Gramm Fisch brauchen also 9 g Trockenfutter am Tag.
1 Tier x 180 g = 180 g x 5% = 9 g Futter

Das bedeutet einen Eintrag von 7200 mg Proteinen.
9 g x 50% = 4,5 g x 20% = 0,9 g x 80% = 0,72 g

Oder 720 mg NH3/NH4 (mit 20% Stickstoffanteil gerechnet).

Das sind dann 3,6 mg/l NH3/NH4 bei einer Wassermenge von 200 Litern.

4 S. diskus:

720 Gramm Fisch brauchen also 36g Trockenfutter am Tag.
4 Tiere x 180 g = 720 g x 5% = 36 g Futter

Das bedeutet einen Eintrag von 7200 mg Proteinen.
36 g x 50% = 18 g x 20% = 3,6 g x 80% = 2,2 g

Oder 2200 mg NH3/NH4 (mit 20% Stickstoffanteil gerechnet).

Das sind dann 11 mg/l NH3/NH4 bei einer Wassermenge von 200 Litern.

Wenn man nun davon ausgeht, dass 1,0 mg NHx etwa 3,7 mg Nitrat (NO3) erzeugen kann, sieht man sehr deutlich wie unterschiedlich ein eventuelles Filtersystem beansprucht wird.

Ein Filtersystem muss also bei den hier unterstellten Beispielen mit NHx Gehalten von 1,0 – 11,0 mg/l zurecht kommen. Soll heissen, diese Mengen an NHx müssen von den Filterbakterien in einer bestimmten Zeit über Nitrit zu Nitrat verstoffwechselt werden.

Ist der Stoffwechsel der Bakterien abgeschlossen haben wir theoretische Nitratwerte von 3,7 – 40,7 mg/l NO3.

1,0 mg/l NHx x 3,7 = 3,7 mg/l NO3

3,6 mg/l NHx x 3,7 = 13,32 mg/l NO3

11,0 mg/l NHx x 3,7 =  40,7 mg/l NO3

Flockenfuttermengen mal kurz in Szene gesetzt:

Und was sagt uns das nun alles?

In erster Linie einmal, das ein bestehendes Filtersystem in irdendeiner Weise mit den entstehenden Stoffen fertig werden muss.

Wenn das entstehende NH3/NH4 nicht durch Bakterien über Nitrit zu Nitrat umgewandelt würde, hätte man unter Umständen (hoher pH Wert) eine nette Ammoniakvergiftung.

Tabellen gibt es hier:

Ich drücke es mal anders aus. Wenn ich die 100 P. axelrodi mit 2,5 g Flockenfutter versorge erhalte ich theoretisch 1,0 mg/l NH3/NH4. Bei einem pH von maximal 7,4 und 25° C Wassertemperatur würde sich nie das Problem einer NH3 Vergiftung einstellen.

Wenn man es streng theoretisch betrachtet bräuchte man kein Filtersystem wenn man eine ausreichende Bepflanzung vorsieht.

Die vorhandenen Mikroorganismen im Aquarium selbst und die Pflanzen würden dafür sorgen das NH3/NH4, NO2 und NO3 nicht zu einem Problem werden.

Ich filtere mein Neonbecken dennoch. Ein Eheim Topfaussenfilter 2026 ist bestückt mit einer einzigen Filtermatte (mittlere Pore). Die Matte hat eine Größe von 15 x 15 x 5 cm.

NH3/NH4, NO2 sind quasi nicht messbar und NO3 bewegt sich um die 5 mg/l. Der pH liegt bei 6,9, KH bei 4,0.

Würde ich nun die 100 Neons abfischen und durch die theoretischen 4 Diskus ersetzen könnte das bestehende System wohl nicht ausreichen um NH3/NH4, NO2 und und NO3 in „fischtauglichen“ Mengen zu halten.

Beim Filtersystem müsste ernsthaft nachgerüstet werden. Die Fütterung der Tiere wäre zeitlich aufzuteilen. Die 36 Gramm Futter also auf mehrere Zeitpunkte zu verteilen.

Der Einfachheit halber mal in 4 Fütterungen pro Tag á 9 Gramm.

Gucken wir mal wieder rüber in die Tabelle und schauen dann mal auf die 30°C Tabelle.

Man würde bei pH 6,9 immer so an der Grenze zur NH3 Vergiftung rum schraddeln.

Ein leistungsfähiges Filtersystem kann da deutlich Abhilfe schaffen.

Nitrat wird sich über die Zeit allerdings anreichern. Großzügige Wasserwechsel sollten dann aber Abhilfe schaffen.

 

[1] Heinz Bremer, “Aquarienfische gesund ernähren”, Datz Aquarienbücher, Ulmer Verlag,ISBN: 3-8001-7366-2

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