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Beratung und Gesetz

Der Aquarianer, der Tierschutz und das Verhalten von Konsumenten und Verkäufern.

Wah, was für eine Überschrift.

Dabei soll es um ein Thema gehen, welches viele Leute beschäftigt und sehr emotional belegt ist. Es gibt sehr viele Betrachtungsweisen, viele Fettnäppchen und der Anschiss lauert sowieso Überall.

In letzter Zeit macht sich das sogenannte „Händlerbashing“ doch sehr breit und ich finde es wird Zeit über die Konstellation Handel, Verkauf und mündigen Aquarianern mal zu reflektieren.

Sicherlich haben die Meisten von uns schon einmal irgendwelche Erfahrungen mit Fischhändlern gemacht.

Ich spreche nun bewusst mal von Fischhändlern und nicht von Zoofachbetrieben oder Zoofachhandel.

Wenn man es auf das Ureigenste reduziert wird dort mit Fischen gehandelt. Nicht mehr und auch nicht weniger. Lassen Sie sich ruhig mal ein auf diese Umschreibung, es kann nicht schaden sich dieser Angelegenheit mal völlig emotionslos zu nähern.

Tatsächlich gibt es Händler die bestimmte Zertifikate an der Eingangstür oder dem Verkaufsraum haben und damit auch werben.

Blenden wir das einfach mal aus und lassen und nicht auf diese Werbetricks ein.

Es handelt sich in der Regel um mehr oder weniger große Aquarienanlagen in denen Fische zum Verkauf angeboten werden. Mehr oder minder wie ein Ausstellungsraum eines Autohandelshauses.

Der Handel stellt seine Ware zur Schau und erhofft sich einen Käufer für seine Ware zu finden.

Ja, beruhigen Sie sich bitte wieder. Fische sind Ware. Eine höchst Sensible noch dazu. Trotzdem möchte ich den Begriff weiter benutzen um mich dem Thema auf einer sachlichen Ebene zu nähern, und nicht in Begrifflichkeiten verfallen, die von der eigentlichen Problematik nur ablenken.

Als Kunde betrete ich nun solch einen Laden und habe eine bestimmte Erwartungshaltung an den Verkäufer und den Laden an sich.

Lassen Sie uns die Erwartungen mal kurz skizzieren:

  • ansprechendes Sortiment
  • gut gepflegte Ware
  • sauberes Umfeld
  • freundliche Bedienung
  • fachkundige Beratung
  • Preiswert

Sicherlich gibt es Fischhändler die alle Kriterien erfüllen, bis eventuell auf die Letzte.

Eine gut geführte Aquarienanlage und geschultes Personal kosten Geld. Diese Geld muss zwingend über die Ware erwirtschaftet werden. Sei es nun über die Ware Fisch oder eben das Zubehör.

Und jeder, der da etwas anderes glaubt, lebt in einer Traumwelt. Will ich also wirklich billig einkaufen, werde ich in irgendeiner Weise Abstriche machen müssen bei meinen Erwartungen. Rufen Sie sich dazu mal das „Aldi-Prinzip“ ins Gedächtnis.

Keine Beratung, nur Verkauf. Und der Verkauf ist so organisiert, das er möglichst wenig Kosten anfallen lässt. Über die Qualität entscheidet jeder für sich und ist ein mündiger Käufer.

Nur bei einer Erwartung geht das eben überhaupt nicht, und die heisst: gut gepflegte Ware

Nur bin ich dann irgendwie in einer Zwickmühle.

Kenne ich mich mit den angestrebten Fischen aus, brauche ich keine Beratung und kann beim billigsten Anbieter kaufen, der eben entsprechend gute Ware hat.

Bin ich allerdings nicht wirklich schlüssig und benötige eine fachkundige Beratung muss ich unter Umständen tiefer in die Tasche greifen und mich anderen Menschen ausliefern. Wobei ich da nicht sicher weiss ob denn die Beratung wirklich richtig ist.

Ich bin dann nicht mehr der mündige Kunde sondern nehme eine passive Rolle ein.

Und hier meine Damen und Herren setzt uns das Tierschutzgesetz eine ganz klare Richtline.

§ 2

Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren,

pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,

2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass

ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,

3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte

Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Und gerade der Absatz 3 trifft uns mit aller Wucht wenn wir beim Fischhändler stehen und nicht wissen welche Fische wir denn nun wirklich haben wollen.

Wobei wir dann bei der Frage sind wo wir denn Kenntnisse über eine bestimmte Fischart herbekommen sollen. Und nun mal Hand aufs Herz, trauen Sie einem Verkäufer zu, über alle handelbaren Fische Bescheid zu wissen? Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten oder gar sagen: „Das ist schliesslich sein Job.“ Dann sind sie auf der falschen Fährte.

Beantworten Sie die Frage mit Nein, müssen Sie sich sicher sein, dass der Verkäufer gerade über den von Ihnen angefragten Fisch bescheid weiss. Können Sie sicher sein?

Sie müssten wieder mit Nein antworten.

Und dann kommt das Fazit welches so unbequem ist. Sie und ich dürften diesen Fisch in dem Moment nicht erwerben und in unsere Obhut nehmen. Wir müssen uns also auf anderem Wege informieren und unseren Kenntnisstand erweitern. Das verlangt das Tierschutzgesetz von uns.

Nun werden sich sicherlich viele Leute fragen wozu denn bitte ein Verkäufer in einem Fischhandel da ist? Ist es nicht seine Aufgabe uns zu beraten? Unseren Kenntnisstand zu vergrößern?

Diese Frage kann man mit einem klaren Nein beantworten.

Er ist Betreiber einer Aquarienanlage, die dem Zweck dient Fische zu verkaufen. Sein Ziel ist der Handel mit Fischen und der Geld Erwerb und nicht die Beratung.

Er hat die gesetztlich vorgegebenen Kenntnisse, die die Veterinärämter überprüfen und kann auf dieser Basis seinen Laden betreiben.

Er weiss nichts über meinen Kenntnisstand und meine Aquarien. Wenn ich also in den Laden gehe und irgendwelche Fische kaufen möchte, braucht er die Tiere nur einzutüten und fertig ist das Geschäft.

OK. Gehen wir nun die Sache mal anders an.

Ich stelle mich mal dumm, gehe in einen x-beliebigen Laden und möchte eine Einsteigerberatung.

Nehmen wir ruhig mal dieses 54 Liter Einsteigerset für 40,- Euro.

Das ist das Objekt meiner Begierde und nun möchte ich Fische für eben dieses Becken.

Ich werde den Verkäufern löchern mit Fragen über diesen oder jenen Fisch und ob das denn alles zusammen ginge und das nach Möglichkeit auch noch sofort. Ich möchte ja schliesslich mein Aquarium Heute noch aufstellen.

Was soll denn bitte der Verkäufer nun machen?

Tja, Sie wissen es auch nicht wirklich, oder?

Letztlich manövriere ich den Verkäufer in eine Art „Gewissenskonflikt“. Auf der einen Seite muss der Kerl zusehen, das er Geld verdient, auf der anderen Seite weiß er eventuell, das ich den Anforderungen nicht gewachsen sein werde ein Aquarium von Null auf Hundert hinzustellen und Verluste bei den Tieren zu erwarten sind.

Was würden Sie machen? Auf Brot und Wurst verzichten und keine Weihnachtsgeschenke für die Kinder kaufen?

Oder würden Sie alles daran setzen halbwegs vernünftig aus der Angelegenheit heraus zu kommen und dem Kunden einen Minimalbesatz mitgeben?

Oder würden Sie auf das Tierschutzgesetz hinweisen §2 Absatz 3 (steht oben)?

Was würden Sie tun?

Und bedenken Sie: sie bekommen durch ein 3-stündiges Beratungsgespräch nicht einen Cent mehr und müssen unter Umständen noch Kunden ziehen lassen, die sie in der Zeit nicht bedienen können.

 

Haftet der Verkäufer für Verluste, die ich erzwungen habe?

Oder haftet er nur für zugesagte Eigenschaften, die nachher nicht eintreten?

Muss er mich überhaupt beraten?

Um die Fragen zu beantworten muss man schon ein wenig um die Ecke denken.

Tatsächlich haftet kein Verkäufer für Sachen, die der der Kunde erzwingt. Ein einfacher Hinweis reicht aus.

Er haftet allerdings für zugesagte Eigenschaften. Und welche Eigenschaften werden zugesagt?

Und beraten muss er Sie nicht. Das ist eine kostenlose Dreingabe.

Ja, aber.....höre ich schon.

Nein, es gibt kein Aber. Sie entscheiden wo sie kaufen und welchem Handel sie ihr Geld geben. Sie sind mündiger Bürger, der sich laut Tierschutzgesetz über die Pfleglinge informiert hat und der weiß was er tut.

Sind sie das nicht, machen sie sich Sachkundig.

Niemand hindert sie daran Wissen zu erwerben. Niemand verwehrt ihnen den Eintritt in Bibliotheken, den Erwerb von Büchern und den Bezug von Fachzeitschriften.

Sie sind für ihr Handeln verantwortlich. Vergessen Sie das nie.

Gibt es schlechte oder gute Händler?

Sicher.

Die Frage kann so einfach beantwortet werden.

Das sehe ich aber nicht aus der Perspektive der fragwürdigen Beratung.

Wir alle haben Augen in unserem Kopf und diese Rezeptoren ermöglichen es uns Dinge wahr zu nehmen.

 

Ich habe eine bestimmte Vorstellung davon wie ein Aquarium in einer Handelsanlage auszusehen hat.

Nein, nicht das was sie denken. Da dürfen schon Fische auf engen Raum schwimmen und nicht ihr volles Verhaltensrepertoire ausleben.

Ist das Wasser sauber?

Sind die Fische gut ernährt?

Gibt es gesperrte Becken?

Sind bestimmte Blöcke reserviert für bestimmte Arten?

Gibt es Auffälligkeiten?

Gehen Sie ruhig in verschiedene Läden und schauen Sie einfach. Lassen Sie die Eindrücke einfach auf sich wirken. Sprechen Sie mit niemanden. Kaufen Sie nichts.

Sehen Sie einfach mal zu und beobachten Sie aus der zweiten Reihe.

Und nun sind wir auf der emotionalen Ebene. Sie werden mehr oder minder schnell herausfinden wo sie sich wohl fühlen und ein gutes Gefühl haben.

Nur dieses Gefühl kann man nicht haben wenn man nur einen Laden kennt. Zu groß sind die Unterschiede der einzelnen Läden.

Es gibt Läden ohne gute Beratung mit tollen und gesunden Fischen und sie werden Läden sehen wo die Fische nicht so gut sind, die Beratung aber stimmt. Oder auch umgekehrt.

Welchem Laden sie letztlich ihre Zustimmung geben hängt von ihnen ab. Nur jammern sie anschliessend nicht. Es war ihre Entscheidung.

Sie haben die Verantwortung und haben nach §2 Abs. 3 gehandelt.

 

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